Solidarität mit dem Für LⒶu Haus – Auch in Osnabrück

In Osnabrück haben Aktivist_innen in der Nacht zum 27. August ein Haus (schein-)besetzt und unter anderem ihre Solidarität mit dem Für LⒶu Haus ausgedrückt.

Ich freue mich sehr über diese Aktion!

Die Erklärung der Aktivist_innen im Volltext lautet:

Heute früh haben wir kurzzeitig das alte Strahlenkrankenhaus am Westerberg besetzt. Insgesamt brachten wir an Fenstern, Dächern und Zäunen sieben Transparente an, mit Aufschriften wie „Gegen
Gentrifizierung, für mehr Freiräume“, „Solidarität mit dem Für-Laus-Haus und der Platte“, „Häuser denen, die drin wohnen“,  und aus gegebenem Anlass etwa auch „Linksunten sind wir alle“.

Das alte Krankenhaus in renommierter Lage steht seit inzwischen zehn Jahren leer, das riesige Gelände ist verwahrlost und ungepflegt. Im annähernd selben Zeitraum (nämlich von 2010 bis 2016) sind die Mieten in Osnabrück um 25% gestiegen.  Ja, im letzten Jahr hat diese Stadt den zweifelhaften Ruf erworben, die Stadt zu sein, in der die Mieten für Kleinwohnungen (genau die, die sich Geringverdienende, Rentner*innen und Geflüchtete noch leisten konnten!)  am zweitschnellsten gestiegen sind, gleich hinter Berlin. [1] Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind von 2007-2015 sogar um 43,8% gestiegen. [2]

Als wäre das nicht schlimm genug, wurde nun beschlossen, auf dem Gelände der Strahlenklinik, bezeichnet als „Sahnestück für die Immobilienbranche“ [3] noch mehr Luxuswohnungen zu bauen. Der ganze Stadtteil Westerberg ist bereits eine einzige große Villensiedlung, aber das reicht wohl noch nicht aus! Nach zehn (!) Jahren  in denen das Gebäude hermetisch abgeriegelt wurde, und es lieber leer stehen gelassen wurde, als Wohnraum für alle, am besten Wohnraum für lau, zu schaffen, soll es nun also weiteren  40-60 Luxusbauten weichen, wobei das Grundstück als eines der teuersten, wenn nicht als DAS teuerste der ganzen Stadt gilt. [4]

Während sich Geringverdienende und, wenn das so weitergeht, auch bald das, was gemeinhin „die Mittelklasse“ genannt wird, sich diese Stadt nicht mehr wird leisten können, und diese Menschen so gegeneinander ausgespielt werden, wird die Stadt immer weiter gentrifiziert und noch mehr Luxusappartements gebaut, wie beispielhaft auf dem Gelände der Strahlenklinik.

Ein Missstand, den wir nicht länger hinzunehmen bereit sind: Wohnraum für alle, Häuser besetzen sowieso!

[1] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/beitrag/wohnen-fuer-studenten-es-wird-immer-enger-305502
[2] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/immobilien-wohnungspreise-steigen-schneller-als-die-mieten-a-1032645.html
[3] https://www.noz.de/archiv/vermischtes/artikel/240387/wir-mussen-das-nicht-verkaufen
[4] https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/744835/ex-strahlenklinik-in-osnabruck-weicht-luxuswohnungen-1#gallery&0&0&744835

Scheinbesetzung in München-Freimann

In der Nacht auf den 17. August haben Unterstützer_innen des Für LⒶu Hauses das sogenannte „mediahaus“ in München Freimann betreten und insgesamt 4 Transparente mit Solidaritätsbotschaften an das Für LⒶu Haus, sowie ein Transparent mit einer Solidaritätsbekundung mit der kürzlich geräumten Teppichfabrik in Berlin-Friedrichshain, aufgehängt.

Natürlich waren die Aktivist_innen längst über alle Berge, als gegen Mittag ein Großaufgebot der Polizei anrückte und mit „Spezialkräften“ rund eine Stunde lang das Gebäude nach den Besetzer_innen durchsuchte [1].

Die Aktivist_innen kritisierten in einem Bekenner_innenschreiben auf Indymedia die Vertreibung von Menschen mit keinem oder nur geringem, zunehmend stärker aber auch mittlerem Einkommen aus Städten. Da ist es geradezu zynisch, dass gerade in München, wo offenbar ein großer Anteil der Bullen einen Nebenjob annehmen muss, um dort überhaupt leben zu können [2], Hausbesetzungen so konsequent durch die Polizei beendet werden.

Mit ihrer Aktion wollten die Aktivist_innen einen Beitrag dazu leisten, dass „auch in München Hausbesetzungen von einer Kuriosität zu Routine“ werden. Deshalb rufen sie mit ihrer Aktion zur Beteiligung am massenhaften Cornern anlässlich der Rückkehr des Für LⒶu Hauses am Tag X Ende August/Anfang September auf.

Das Für LⒶu Haus freut sich sehr über diese Aktion und wünscht den Aktivist_innen auch weiterhin viel Erfolg bei ähnlichen Aktionen! Gemeinsam werden wir den „erzkonservativen CSU-Anhänger_innen, den Bullen und den Spekulant_innen“ kräftig auf die Nerven gehen!

Anmerkungen

[1] Ein Video vom Polizeieinsatz gibt es bei BR24.

[2] Siehe http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.gehalt-reicht-nicht-immer-mehr-muenchner-polizisten-brauchen-nebenjobs.e61a1f84-5798-4036-b740-252a67c18295.html