Pressespiegel zur Besetzung des „Schnitzelhauses“

Berichte von der Aktion am 22. Juli

Berichte über die Aktion in den Tagen danach

Die Bullen plündern, ich ziehe weiter

In München wurde heute kein REWE, sondern ein Umsonstladen geplündert. Nicht durch den „schwarzen Block“, sondern durch Einsatzkräfte der Polizei.

Unmittelbar von den Plünderungen betroffen: Ich. Die Bullen haben mich zwar nicht erwischen können (ich bin durch die Hintertür entwischt), aber jetzt muss ich mir wieder eine neue Bleibe suchen. Dabei war ich doch erst vor wenigen Stunden in das „Schnitzelhaus“ eingezogen.

Wem die Bullen mit ihren Plünderungen geschadet haben: Uns allen, denn ich stehe für die Überzeugung, allen Menschen das zu gewähren, was sie benötigen, unabhängig von einer Gegenleistung.

Aber auch wenn mich die Bullen plündern, der Staat mich durch seine Repressionsorgane verfolgt und verleumdet und mir Räume, die ich mir erkämpfe, sofort streitig gemacht werden, ich werde wieder auftauchen!

Und ihr könnt mich dabei unterstützen: Alles, was ich brauche, ist ein leer stehendes Gebäude und ein paar Umzugshelfer_innen. Ach ja: Und ein paar neue Möbel wären nicht schlecht 🙂

Aktionserklärung zur Besetzung des „Schnitzelhauses“ im Münchner Westend am 22.07.2017

Hiermit erklären wir das „Schnitzelhaus“ (Holzapfelstraße 10) im Münchner Westend für besetzt!

Während in München ebenso wie in anderen Städten die Mieten steigen, Geflüchtete in Zelten oder Containern leben müssen, Obdachlose keine Unterkunft finden können und Sozialhilfe-Empfänger_innen zunehmend weiter in die Außenbezirke der Stadt verdrängt werden, stehen in der Münchner Innenstadt zahllose Gebäude ungenutzt leer. Dabei ist nicht nur Wohnraum ein knappes Gut in der Stadt, sondern auch unkommerzielle Räume gibt es in München kaum. Das sind Räume, in denen auch Menschen verkehren können, die sich den Konsum von Speisen und Getränken zu Restaurantpreisen nicht leisten können. Diese Menschen werden so vom öffentlichen Leben systematisch ausgeschlossen und stehen in der Gesellschaft zunehmend isolierter da.

Das ist ein Symptom einer Gesellschaft, die sich vollständig über Tausch und Eigentum organisiert. Auch wenn ein Haus auf der einen Seite leer steht und Menschen auf der anderen Seite ein Obdach suchen, ist es keineswegs selbstverständlich, dass diese in dem Haus wohnen können. Gleiches gilt auch für andere Gegenstände: In Kellern, auf Dachböden und in den hinteren Ecken der Schränke verstauben unbenutzte und unbenötigte Dinge. Nur deswegen, weil sie mal teuer waren. Wäre es nicht besser, wenn diese Dinge anderen Menschen, Menschen, die diese auch verwerten können, zugänglich gemacht werden würden? Ganz ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen? Diesem Gedanken folgt die Idee eines Umsonstladens: Hier kann jede_r Gegenstände, die er_sie nicht mehr benötigt, hinbringen und alle diejenigen, die einen der Gegenstände benötigen, können ihn wieder mitnehmen.

Im ehemaligen „Schnitzelhaus“ wollen wir diesem gesellschaftlichen Missstand begegnen: In der ehemaligen Gaststätte im Erdgeschoss haben wir dem Für LⒶu Haus deshalb ein Zuhause eingerichtet. Damit haben wir den ersten Raum dieses riesigen Gebäudes besetzt. Eigentlich nicht den ersten: Das Obergeschoss wurde bereits durch einige Tauben besetzt. Trotzdem bleibt jede Menge Raum für weitere Ideen.

Das Für LⒶu Haus versteht sich dabei nicht nur als Umsonstladen, sondern auch als eine Anlaufstelle für Menschen, die dieses Haus gemeinsam gestalten und weiteren Menschen zugänglich machen wollen.

An den_die Eigentümer_in haben wir weder Erwartungen, noch stellen wir irgendwelche Forderungen. In der Vergangenheit haben verschiedene Gruppen und Bündnisse auf diesen Leerstand aufmerksam gemacht und den Dialog mit dem_der Eigentümer_in gesucht. Eine Reaktion blieb aus. Wir akzeptieren diesen Leerstand nicht länger.

Die Häuser denen, die drin wohnen!