Aktionserklärung zur Besetzung der ehemaligen Kuvertfabrik in der Landsbergerstr. 444 in Pasing

Hiermit erklärt das Für LⒶu Haus die Kuvertfabrik in der Landsbergerstr. 444 in München-Pasing für besetzt.

Nachdem es gestern aus der Bodenseestr. 28 vertrieben worden war, hat das Für LⒶu dieses Mal zum Glück gleich in der Nähe noch ein leerstehendes Gebäude gefunden und es sich dort gemütlich gemacht: Die ehemalige Kuvertfabrik in der Landsbergerstr. 444. Ein paar Gegenstände aus dem letzten Umsonstladen hat es dabei retten können und hat sie im neuen Gebäude deponiert. Auch hier sind alle herzlich eingeladen, sich umzusehen und Gegenstände vorbeizubringen oder mitzunehmen.

Nachdem es Ende Juli das Schnitzelhaus im Münchner Westend (Holzapfelstr. 10) und Anfang September die Meinburk in der Münchner Maxvorstadt (Seidlstr. 15) besetzt hatte und bereits dort von der Polizei geplündert und verjagt wurde, hatte es erst gestern seine Neueröffnung in der Bodenseestr. 28 in München-Pasing gefeiert. Doch auch hier wurde es bereits innerhalb weniger Stunden vertrieben.

Nun also die Kuvertfabrik. Auch hier bleiben wir bei dem Thema Gentrifizierung und fehlenden Freiräumen. Die Kuvertfabrik hat schon einige Häuserkämpfe hinter sich. Von 1998 bis Anfang 2015 bot sie Ateliers für Künstler_innen und Seminarräumen Platz. 2010 erwarb die Münchner Grundvermögen das Gebäude. Als sie die Kuvertfabrik 2011 abreißen lassen wollte, kämpften Anwohner_innen und Nutzer_innen darum, das Haus zu erhalten. Tatsächlich gelang es ihnen, das Hauptgebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Anfang 2015 mussten die Nutzer_innen dennoch raus, um dem Umbau der Kuvertfabrik in Loftwohnungen Platz zu machen. Ein Alternativkonzept der Künstler_innen, das die Kuvertfabrik zu einem großen Kulturzentrum ausbauen und Leben, Kunst und Arbeiten verbinden wollte, schlug die Münchner Grundvermögen aus. Seitdem steht das Gebäude leer, das Pförtnerhäuschen und die angrenzende Landsbergerstr. 446, die ebenfalls Künstler_innenateliers beherbergte, sind heute bereits abgerissen.
Seit Jahren beklagen Künstler_innen ihre Verdrängung aus der Stadt, weil sie keine bezahlbaren Ateliers mehr finden. Einige Jahre lang war die Kuvertfabrik ein Ort, den Menschen als Freiraum wahrgenommen und geschätzt haben. Seit fast drei Jahren steht das Haus nun leer. Teure Loftwohnungen sollen wahrscheinlich künftig in dem Haus die Ateliers und Seminarräume ersetzen.

Loftwohnungen sind ein Paradebeispiel für Gentrifizierungsprozesse. Ursprünglich dazu gedacht, alte leerstehende Fabriken in günstigen Wohnraum umzuwandeln, sind Loftwohnungen heutzutage luxussanierte Eigentumswohnungen für Menschen mit dem entsprechenden Geldbeutel. Dadurch befördern solche Bauprojekte die Verdrängung all der Menschen aus dem Viertel und der Stadt, die sich explodierende Mietpreise nicht mehr leisten können. Gleichzeitig wird durch die Umwandlung von ursprünglichen Gewerbebauten in reine Wohngebäude Raum für eine unkommerzielle gemeinsame Nutzung, die auch Wohnen mit öffentlichem Leben verbindet, zerstört. Die Kuvertfabrik war ein Haus, das Raum für Ateliers, Seminar- oder Partyräume, Werkstätten und anderen Orten kulturellen, künstlerischen und öffentlichen Lebens bot und immer noch bieten könnte. Seit fast drei Jahren bietet sie gar nichts mehr.

Trotzdem ist es wichtig zu betonen, dass Immobilienunternehmen wie die Münchner Grundvermögen ebensowenig für Gentrifizierungsprozesse verantwortlich sind, wie Spekulant_innen oder gar die neuen Eigentümer_innen oder Mieter_innen. Gentrifizierung ist ein Prozess den Politik und Bevölkerung maßgeblich mitverantworten. Gentrifizierung ist nichts anderes als die überall in unserer Gesellschaft wirkenden Gedanken des Eigentums und des Tausches, die Menschen auf zahlreichen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens diskriminieren. Der Kampf gegen Gentrifizierung kann unserer Auffassung nach also nur als ein Teil des Kampfes gegen kapitalistische Herrschaftsverhältnisse, als Teil des Kampfes gegen Eigentum und das weitverbreitete Tauschprinzip erfolgreich sein.

Die Tatsache, dass wir keine Erlaubnis der_des Eigentümer_in des Grundstücks in der Landsbergerstraße dafür haben, in dem Gebäude einen Umsonstladen einzurichten, begreifen wir als eine Selbstermächtigung gegenüber dem kapitalistischen Eigentumsgedanken. Wir verstehen nicht, warum ein leer stehendes, ungenutztes Gebäude nicht von allen genutzt werden sollte, nur weil das irgendjemensch verbietet. Wir verstehen auch nicht, warum Menschen das Recht haben, Nutzer_innen eines Gebäudes hinauszuwerfen und dieses dann ungenutzt verfallen zu lassen. Wir verstehen nicht, warum Flächen, die für öffentliches Leben so wunderbar geeignet sind und dafür auch bereits genutzt wurden, Wohnungen weichen sollen, die nur für wenige bezieh- und nutzbar sind.

Den in der Landsbergerstr. 444 eingerichteten Umsonstladen verstehen wir als einen weiteren Baustein im Kampf gegen Eigentum- und Tauschgedanken. Hier kannst du Dinge, die du nicht mehr benötigst hinbringen und findest vielleicht einige Dinge, die du benötigst, schön findest, oder einfach nur haben willst. Aber hier herrscht kein Tauschzwang! Alle dürfen sich hier bedienen, egal ob sie etwas anderes mitgebracht haben oder nicht. Das ist eine Überwindung kapitalistischer Prinzipien im Kleinen, aber wenn dir die Idee gefällt, dann hilf mit, viele solcher Orte zu schaffen, an denen wir die kapitalistische Herrschaft im Kleinen überwinden!

Aktionserklärung zur Besetzung der Bodenseestraße 28 in Pasing

Hiermit erklärt das Für LⒶu Haus die Bodenseestr. 28 in Pasing für besetzt!

Nachdem wir dem Für LⒶu Haus Ende Juli bereits im Schnitzelhaus im Münchner Westend (Holzapfelstr. 10) sowie Anfang September in der Meinburk in der Maxvorstadt (Seidlstr. 15) einen Umsonstladen eingerichtet hatten, der beide Male unverständlicherweise der Polizei nicht so gefallen hatte und von ihr geräumt wurde (ganz hat sie das Umsonstladen-Konzept wohl noch nicht verstanden), hat es nun in München-Pasing in der Bodenseestr. 28 ein neues Zuhause gefunden. Auch hier hat es einen Umsonstladen eröffnet, der ab sofort besucht werden kann.

Während bei der ersten Besetzung leer stehender Wohnraum und bei der zweiten fehlende unkommerzielle Räume im Zentrum der Besetzungen standen, geht es in der Bodenseestr. 28 um Gentrifizierung und die zunehmende Trennung öffentlicher und privater Lebensräume.
Seit über einem halben Jahr steht der gesamte Gebäudekomplex der Bodenseestraße 24 bis 28 leer. Die Firma Concept Bau plant auf diesem Areal den Bau von Eigentumswohnungen. 1 bis 4 Zimmer groß sollen diese werden, der Vertrieb soll 2018 beginnen. Dabei ist nicht etwa zu erwarten, dass durch das Bauprojekt in der Bodenseestraße Wohnungen entstehen werden, die für alle erschwinglich sind. Der Bauträger Concept Bau realisierte in München und Berlin bereits zahlreiche Projekte, in denen Luxusbauten mit Wohnungen – Concept Bau spricht beispielsweise von „Logenplätzen“ – für die Menschen, die gut und gerne mal mehr als 1,5 Millionen Euro berappen können, entstanden. Prominentestes Beispiel für die Projekte der Concept Bau sind die sogenannten Glockenbachsuiten im Münchner Glockenbachviertel. Hier entstanden Luxuswohnungen, gegen die sich auch wiederholter Protest aus der Bevölkerung regte. Erfolglos.

Weitere Projekte der Concept Bau entstanden in Bogenhausen, Thalkirchen, Nymphenburg und Giesing, aber auch hier in Pasing, ebenfalls in der Bodenseestraße (78).

Fest steht bei all diesen Projekten: Hier entsteht Wohnraum, den mensch sich nur mit dem nötigen Kleingeld leisten kann. Mit dem Bauprojekt in dem Areal der Bodenseestraße 24 bis 28 leistet die Concept Bau auch in Pasing einen Beitrag zur um sich greifenden Gentrifizierung des Stadtteils, denn durch die in solchen Projekten forcierte Aufwertung des Viertels, werden langfristig all diejenigen Menschen verdrängt, die sich dramatisch steigende Mietpreise nicht mehr leisten können.
Trotzdem ist es wichtig zu betonen, dass Bauunternehmen wie Concept Bau ebensowenig für Gentrifizierungsprozesse verantwortlich sind, wie Spekulant_innen oder gar die neuen Eigentümer_innen oder Mieter_innen. Gentrifizierung ist ein Prozess, den Politik und Bevölkerung maßgeblich mitverantworten. Gentrifizierung ist nichts anderes als die überall in unserer Gesellschaft wirkenden Gedanken des Eigentums und des Tausches, die Menschen auf zahlreichen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens diskriminieren. Der Kampf gegen Gentrifizierung kann unserer Auffassung nach also nur als ein Teil des Kampfes gegen kapitalistische Herrschaftsverhältnisse, als Teil des Kampfes gegen Eigentum und das weitverbreitete Tauschprinzip erfolgreich sein.

Die Tatsache, dass wir keine Erlaubnis der_des Eigentümer_in des Grundstücks in der Bodenseestraße dafür haben, in dem Gebäude einen Umsonstladen einzurichten, begreifen wir als eine Selbstermächtigung gegenüber dem kapitalistischen Eigentumsgedanken. Wir verstehen nicht, warum ein leer stehendes, ungenutztes Gebäude nicht von allen genutzt werden sollte, nur weil das irgendjemensch verbietet. Wir verstehen auch nicht, warum die vorhandenen, für Wohn- und Lebensraum ausreichend gut erhaltenen Gebäude neuen Wohnungen weichen sollen, die sich viele Menschen dann nicht mehr leisten können. Wir verstehen nicht, warum Flächen, die Wohnen und öffentliches Leben vereinen, indem sie für beides Räume bereithalten, Flächen weichen sollen, die ausschließlich Wohnraum bieten sollen und damit Wohnräume bis zu einem gewissen Grad zu reinen Unterkünften, nicht aber zu Lebensräumen, machen.

Den in der Bodenseestraße 28 eingerichteten Umsonstladen verstehen wir als einen weiteren Baustein im Kampf gegen Eigentum und Tauschgedanken. Hier können Dinge, die nicht mehr benötigt werden, hingebracht werden, und vielleicht einige Dinge gefunden, die benötigt, schön gefunden, oder einfach nur gewollt werden. Aber hier herrscht kein Tauschzwang! Alle dürfen sich hier bedienen, egal ob sie etwas anderes mitgebracht haben oder nicht. Das ist eine Überwindung kapitalistischer Prinzipien im Kleinen, aber wenn dir die Idee gefällt, dann hilf mit, viele solcher Orte zu schaffen, an denen wir die kapitalistische Herrschaft im Kleinen überwinden!





Pressemitteilung zur Besetzung der ehemaligen „Meinburk“

Gegen 15 Uhr besetzten Aktivist_innen am heutigen Samstag die Räumlichkeiten der ehemaligen „Meinburk“ in der Seidlstraße 15 in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und richteten darin einen Umsonstladen ein. Zugleich riefen die Aktivist_innen zum „massenhaften Cornern“ vor der Seidlstraße 15 auf. Mit ihrer Aktion knüpfen die Aktivist_innen an die Besetzung des „Schnitzelhauses“ im Westend vergangenen Juli an.

„Umsonstladen meineureburk“ steht auf einem der Transparente, die Aktivist_innen gegen 15 Uhr aus dem Gebäude in der Seidlstraße 15 gehängt haben. Das danebenstehende Logo „Für LⒶu Haus“ ist bereits seit Ende Juli bekannt: Aktivist_innen hatten unter diesem Namen das Schnitzelhaus im Westend besetzt und ebenfalls einen Umsonstladen darin eingerichtet. In einen Umsonstladen können Personen Gegenstände, die sie nicht mehr benötigen bringen und Gegenstände, die sie darin finden und gebrauchen können, mit nach Hause nehmen. Dabei gehe es darum, den kapitalistischen Tauschgedanken zu überwinden, nicht darum, karitative Hilfe für Bedürftige zu leisten, erklären die Aktivist_innen des „Für LⒶu Haus“ auf ihrer Webseite.

Mit ihrer Besetzung im Juli protestierten die Aktivist_innen gegen Wohnungsleerstand in München trotz gleichzeitig explodierenden Mietpreisen. Sie kritisierten die Vertreibung von Menschen mit keinem oder geringem Einkommen aus der Stadt. Lange hielt ihre Besetzung damals jedoch nicht. Schon nach wenigen Stunden drangen Polizist_innen mit Helmen und einem Schild in das Haus ein und beschlagnahmten die im Umsonstladen befindlichen Gegenstände. Die Hausbesetzer_innen entwischten ihnen damals jedoch. Trotz Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch und Verstoßes gegen die Impressumspflicht konnten die verantwortlichen Personen bis heute nicht identifiziert werden. Eine Hausdurchsuchung bei einer_m Sympathisant_in des Für LⒶu Hauses Ende August blieb ebenfalls ergebnislos.

Ebenfalls wegen einer angeblichen Hausbesetzung im Zusammenhang mit dem „Für LⒶu Haus“ wurde die Polizei am 17. August nach Freimann gerufen. Sympathisant_innen des „Für LⒶu Hauses“ hatten dort insgesamt 5 Transparente, mit denen sie vor allem auf den „Tag X“ der heutigen Besetzung hinweisen wollten, an der Fassade einer ehemaligen Druckerei angebracht. Ein Großaufgebot der Polizei durchsuchte das Gebäude rund eine Stunde lang nach Hausbesetzer_innen, um schließlich festzustellen, dass es sich hier nur um eine Scheinbesetzung gehandelt hatte.

Nun schlugen die Aktivist_innen offenbar erneut zu. Nachdem einige Aktivist_innen in der Nacht von Freitag auf Samstag offenbar ein Ablenkungsmanöver auf einem Fabrikgelände in der Nähe des Ostbahnhofs durchgeführt hatten, das Polizeikräfte während der eigentlichen Besetzung beschäftigen sollte, fand die eigentliche Aktion gegen 15 Uhr am heutigen Samstag statt. Mit ihrer Besetzung des ehemaligen Nobel-Clubs „Meinburk“ wollen die Aktivist_innen nicht wie im Juli Wohnungsleerstand kritisieren, sondern ihrer Forderung nach sogenannten Freiräumen Ausdruck verleihen. Darunter verstehen die Aktivist_innen selbstverwaltete, unkommerzielle Räume. Die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums würde die Verdrängung von Menschen mit zu geringem Einkommen auf der Ebene der Lebenshaltungskosten begünstigen, argumentieren die Aktivist_innen in einer Erklärung zu ihrer Aktion. Sie könnten sich das öffentliche Leben schlicht nicht mehr leisten und würden so davon ausgeschlossen. Doch die Aktivist_innen kritisieren nicht nur den finanziellen Ausschluss von Menschen in kommerziellen öffentlichen Räumen. Das mangelnde Mitbestimmungsrecht der Menschen in kommerziellen Räumen würde zu weiteren Diskriminierungen führen. In Clubs beispielsweise herrsche Sexismus, der von den Betreiber_innen nicht ernst genommen und sogar gefördert werden würde. In Freiräumen, in denen alle Menschen die Möglichkeit zur Mitgestaltung und -verwaltung hätten, ließen sich nicht nur die finanziellen Diskriminierungen vermeiden, sondern auch andere Formen der Diskriminierung bekämpfen, argumentieren die Aktivist_innen.

Doch die Forderung der Aktivist_innen nach Freiräumen darf wohl nicht als eine Forderung an den Freistaat Bayern, dem das Gebäude Angaben der AZ zufolge gehört, gewertet werden. In ihrer Erklärung stellen die Aktivist_innen klar: „wir [müssen] uns diese Freiräume selbst nehmen“.

 

Bilder der Aktion zur freien Verwendung findet ihr in unserem Presse Download-Bereich. Ältere Pressemitteilungen könnt ihr hier finden.

Rückfragen und Interviews können wir leider nur schriftlich per E-Mail beantworten/geben: fuer-lau-haus@riseup.net.

Aktionserklärung zur Besetzung der ehemaligen „Meinburk“

Hiermit erklärt das Für LⒶu Haus die ehemalige „Meinburk“ in der Seidlstraße 15, München für besetzt!

Heute ist Tag X.

Nachdem das Für LⒶu Haus am 22. Juli 2017 in das Schnitzelhaus im Münchner Westend eingezogen war und noch am selben Tag von plündernden Bullen wieder vertrieben worden war, kehrt es nach großer Ankündigung am heutigen Tag X zurück und bezieht die Räumlichkeiten der ehemaligen „Meinburk“ in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Zugleich ruft das Für LⒶu Haus alle seine Unterstützer_innen ab sofort zum massenhaften Cornern vor der Seidlstraße 15 auf.

Bereits am frühen Morgen hatten Aktivist_innen in der Grafinger Straße 24 A in unmittelbarer Nähe zum Ostbahnhof ein Transparent mit der Aufschrift „Tag X // B’setzt is!“ entrollt, um Polizist_innen bereits vor der eigentlichen Besetzung auf eine falsche Fährte zu locken. In dem Gebäude in der Grafinger Straße 24 A hatten die Aktivist_innen auch einen Parcour bestehend aus Barrikaden, Hinweisschildern, usw. für die anrückenden Bullen aufgebaut, der diese wohl einige Zeit in Atem gehalten haben dürfte.

Während bei der Aktion am 22. Juli 2017 vor allem die Wohnungsnot in München im Zentrum der Kritik stand, sollen diesmal hauptsächlich Freiräume thematisiert werden. Dazu eignet sich der ehemalige Club „Meinburk“ hervorragend: Von der Abendzeitung wurde diese ehemalige Partylocation als „Trainingslager fürs P1“ [1] bezeichnet. Gäste waren Menschen mit einem durchschnittlichen Budget von 1.000 Euro für das Wochenende, die sich für etwa diesen Preis gerne eine Sechs-Liter-Flasche Schaumwein gönnten [2]. Kurz: Die „Meinburk“ war kein Ort für alle, sondern vor allem ein Ort, an dem die Reichen Münchens verkehren konnten [3].

Dabei steht die „Meinburk“ nur beispielhaft für die Verdrängung von Menschen mit keinem oder nur geringem Einkommen aus München [4]. Das spielt sich nicht nur auf der Ebene der Mietpreise ab, die im deutschlandweiten Vergleich mit einer Durchschnittsmiete von 15,18 Euro/qm im gesamten Stadtgebiet auf Platz 1 vor Frankfurt am Main (Platz 2) und Stuttgart (Platz 3) liegen [5], sondern auch auf der Ebene der Lebenshaltungskosten findet eine Verdrängung von Menschen mit keinem, geringem und durchschnittlichen Einkommen statt. Gerade was die Teilhabe der Menschen am öffentlichen Leben angeht, gibt es in München kaum unkommerzielle Alternativen. So sind all diejenigen, die es sich nicht leisten können, regelmäßig zwischen 7 und 15 Euro für einen Cocktail oder auch nur 3,60 Euro für einen halben Liter Bier – oder ein anderes Getränk – zu bezahlen, ganz zu schweigen von den Restaurantpreisen für Speisen, vom sogenannten „Ausgehen“ verbannt.

Alternativen gibt es so gut wie keine. Bei schönem Wetter im Sommer lässt sich in Parks und an der Isar beobachten, wie groß der Bedarf der Menschen nach unkommerziellen Räumen ist. Handtuch an Handtuch, Decke an Decke drängen sich die Menschenmassen im Englischen Garten oder an der Reichenbacher Brücke, ebenso wie an zahlreichen anderen beliebten Orten Münchens, auf der Suche nach unkommerziellen Alternativen zu Restaurants und Biergärten. Nachts kommt es dann zu zahlreichen Anzeigen wegen Ruhestörungen, weil die Menschen auch unkommerzielle Alternativen zu kommerziellen Clubs suchen und deswegen auf der Straße feiern.

Doch nicht nur die Verdrängung zahlreicher Menschen aus finanziellen Gründen führt zu Problemen in kommerziellen Räumen. Auch die mangelnde Teilhabe der Menschen an deren Gestaltung und Verwaltung ist problematisch. Sexismus ist in beinahe allen kommerziellen Clubs ein echtes Problem. Gerade Frauen* werden dort (gewollt und ungewollt) zu bloßen Objekten stilisiert. Sexuelle Übergriffe, wie beispielsweise Angrabschen oder nicht konsensuales Antanzen ebenso wie körperliche Aufdringlichkeit, gehören zur – von (fast) allen wahrgenommenen und akzeptierten – Tagesordnung. Sicher, auch das Nachtleben ist nur ein Abbild unserer sexistischen Gesellschaft, doch die bewusste Degradierung von Frauen* zum Objekt findet nicht erst auf der Tanzfläche statt. Die Werbung für Clubs und Abendveranstaltungen wird häufig durch sexuell aufgeladene Darstellungen von Frauen* transportiert, Sexuelle Übergriffe in Clubs werden von den Betreiber_innen häufig nicht ernst genommen und schon gar nicht aufgearbeitet und auch in der in Clubs gespielten Musik findet sich Sexismus in beinahe jedem Stück. Insgesamt wird die gesamte Party-Kultur dadurch sexualisiert, ein „Ausgehen“ außerhalb (heteronormativen) Balzgebahrens ist kaum möglich. Auch wenn sicherlich nicht nur kommerzielle Interessen hinter einer solchen Aufmachung von Clubs stehen, sondern auch der in der Gesellschaft internalisierte Sexismus, stehen mangelndes Mitbestimmungsrecht der Besucher_innen im Hinblick auf Gestaltung und Verwaltung einer effektiven Bekämpfung von Diskriminierungen wie Sexismus in kommerziellen Räumen im Weg.

Um der Verdrängung von Menschen ohne ausreichendes Einkommen aus dem öffentlichen Leben in München etwas entgegenzusetzen, ebenso wie den in kommerziellen Räumen gängigen, anderweitigen Diskriminierungen – zum Beispiel Sexismus, Rassismus oder Agesimus – begegnen zu können, fordert das Für LⒶu Haus die Schaffung von Freiräumen in München. Dabei ist klar, dass wir uns diese Freiräume selbst nehmen müssen.

Der öffentliche Raum gehört allen, weder nur denen, die Kohle dafür haben, noch nur denen, die mit den an der Tagesordnung befindlichen Diskriminierungen leben können oder nicht von ihnen betroffen sind. Gemeinsam mit euch erkämpft sich das Für LⒶu Haus öffentliche Räume zurück.

Kommt vorbei und feiert mit dem Für LⒶu Haus seine Welcome Back Party. Unkommerziell und Diskriminierungsfrei!

PS: Bringt Bier und andere Getränke (gerne auch solche ohne Alkohol), sowie Snacks für euch und andere mit [6]!

Anmerkungen

[1] Vgl. http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.club-in-der-maxvorstadt-meinburk-muss-schliessen-wir-sind-sehr-traurig.ddd9f212-4a62-4d67-8939-475a15749a6b.html

[2] Siehe http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.leute-sauber-schluerfen-mit-meister-p-r-opper.2aa78228-6454-4b99-85aa-22389e394a1f.html

[3] Die Abendzeitung berichtete 2014 von einer Party für rund 250.000 Euro in der „Meinburk“: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.club-in-der-maxvorstadt-meinburk-feiern-fuer-250000-euro.c06af589-ef80-4def-bb24-20f72a960648.html

[4] Zunehmend stärker können sich jedoch auch Menschen mit mittlerem Einkommen die Stadt München nicht mehr leisten. Auch Polizist_innen sind davon betroffen und somit gezwungen, Nebenjobs anzunehmen, wie die Abendzeitung kürzlich berichtete: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.gehalt-reicht-nicht-immer-mehr-muenchner-polizisten-brauchen-nebenjobs.e61a1f84-5798-4036-b740-252a67c18295.html

[5] Siehe https://interaktiv.morgenpost.de/mieten-grossstaedte-deutschland/

[6] Es gibt Menschen, die von Alkohol und anderen Drogen bei Aktionen dringend abraten. Das hat gute Gründe, immerhin kann es jederzeit passieren, dass es zu Übergriffen durch die Bullen kommt und da lohnt es sich dann meist schon, einen klaren Kopf zu haben. Das Für LⒶu Haus rät zu einem bewussten Umgang mit Rauschmitteln auf Aktionen. Das heißt, dass ihr im Hinterkopf haben solltet, dass durch ein Überschreiten der eigenen Grenzen auch andere Personen gefährdet werden können. Abgesehen davon ist eine ausschließliche Verfügbarkeit an alkoholischen Getränken all denen gegenüber, die Alkohol nicht konsumieren können oder wollen, diskriminierend.

Aktionskarte

Aktionskarte zur Besetzung der ehemaligen „Meinburk“ [PDF]

Solidarität mit dem Für LⒶu Haus – Auch in Osnabrück

In Osnabrück haben Aktivist_innen in der Nacht zum 27. August ein Haus (schein-)besetzt und unter anderem ihre Solidarität mit dem Für LⒶu Haus ausgedrückt.

Ich freue mich sehr über diese Aktion!

Die Erklärung der Aktivist_innen im Volltext lautet:

Heute früh haben wir kurzzeitig das alte Strahlenkrankenhaus am Westerberg besetzt. Insgesamt brachten wir an Fenstern, Dächern und Zäunen sieben Transparente an, mit Aufschriften wie „Gegen
Gentrifizierung, für mehr Freiräume“, „Solidarität mit dem Für-Laus-Haus und der Platte“, „Häuser denen, die drin wohnen“,  und aus gegebenem Anlass etwa auch „Linksunten sind wir alle“.

Das alte Krankenhaus in renommierter Lage steht seit inzwischen zehn Jahren leer, das riesige Gelände ist verwahrlost und ungepflegt. Im annähernd selben Zeitraum (nämlich von 2010 bis 2016) sind die Mieten in Osnabrück um 25% gestiegen.  Ja, im letzten Jahr hat diese Stadt den zweifelhaften Ruf erworben, die Stadt zu sein, in der die Mieten für Kleinwohnungen (genau die, die sich Geringverdienende, Rentner*innen und Geflüchtete noch leisten konnten!)  am zweitschnellsten gestiegen sind, gleich hinter Berlin. [1] Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind von 2007-2015 sogar um 43,8% gestiegen. [2]

Als wäre das nicht schlimm genug, wurde nun beschlossen, auf dem Gelände der Strahlenklinik, bezeichnet als „Sahnestück für die Immobilienbranche“ [3] noch mehr Luxuswohnungen zu bauen. Der ganze Stadtteil Westerberg ist bereits eine einzige große Villensiedlung, aber das reicht wohl noch nicht aus! Nach zehn (!) Jahren  in denen das Gebäude hermetisch abgeriegelt wurde, und es lieber leer stehen gelassen wurde, als Wohnraum für alle, am besten Wohnraum für lau, zu schaffen, soll es nun also weiteren  40-60 Luxusbauten weichen, wobei das Grundstück als eines der teuersten, wenn nicht als DAS teuerste der ganzen Stadt gilt. [4]

Während sich Geringverdienende und, wenn das so weitergeht, auch bald das, was gemeinhin „die Mittelklasse“ genannt wird, sich diese Stadt nicht mehr wird leisten können, und diese Menschen so gegeneinander ausgespielt werden, wird die Stadt immer weiter gentrifiziert und noch mehr Luxusappartements gebaut, wie beispielhaft auf dem Gelände der Strahlenklinik.

Ein Missstand, den wir nicht länger hinzunehmen bereit sind: Wohnraum für alle, Häuser besetzen sowieso!

[1] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/beitrag/wohnen-fuer-studenten-es-wird-immer-enger-305502
[2] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/immobilien-wohnungspreise-steigen-schneller-als-die-mieten-a-1032645.html
[3] https://www.noz.de/archiv/vermischtes/artikel/240387/wir-mussen-das-nicht-verkaufen
[4] https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/744835/ex-strahlenklinik-in-osnabruck-weicht-luxuswohnungen-1#gallery&0&0&744835

Erklärung zu einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit dem Für LⒶu Haus

Am gestrigen Donnerstag, den 31. August 2017, fand einer Mitteilung der Roten Hilfe Ortsgruppe München zufolge eine Hausdurchsuchung bei einer_m meiner Unterstützer_innen statt. Derzufolge diente die Hausdurchsuchung der „Gefahrenabwehr“. Das bedeutet, dass die Polizei die_den Aktivist_in verdächtigt, eine Hausbesetzung geplant zu haben. Diesen Verdacht hatten die Bullen offenbar zuvor bei einer Verkehrskontrolle gewonnen, bei der Solidaritäts-Banner mit dem Für LⒶu Haus im Besitz der_s Aktivist_in beschlagnahmt wurden. Folgerichtig beschlagnahmten die Bullen vom Staatsschutz bei der Hausdurchsuchung auch mehrere Bettlaken, die ihnen zufolge zur Herstellung von Transparenten genutzt werden könnten.

Dabei haben die Bullen offenbar noch immer nicht verstanden, dass ich keine Gruppe von Aktivist_innen bin, sondern ein Umsonstladen. Umsonstläden, ebenso wie andere Häuser kann mensch nicht einfach verhaften und schon gar nicht auf eine Anklagebank setzen oder einsperren. Ich bin Ausdruck der massiven Wohnraumprobleme, die in ganz Deutschland, vor allem aber auch in München herrschen. Und diese Probleme lassen sich nicht mit Repression gegen diejenigen lösen, die sie anprangern.

Ich erkläre mich solidarisch mit der_dem von den Bullen drangsalierten Aktivist_in, die_der bereits erklärt hat, dass sie_er sich von solch primitiven Einschüchterungsversuchen der Polizei nicht unterkriegen lassen wird. Und ich rufe auch euch dazu auf, euch solidarisch zu zeigen. Jede_r hat ein Bettlaken zu Hause und einige von euch vielleicht auch ein wenig Farbe. Lasst uns am kommenden Sonntag, den 03.09.2017, ab 15 Uhr zusammen ein Soli-Cornern vor dem ehemaligen Schnitzelhaus (Holzapfelstraße 10), aus dem ich Ende Juli von den Bullen vertrieben wurde, gegen Polizeirepression veranstalten. Bringt eure Bettlaken und Farbe mit und bastelt das, wovor die Bullen in München offenbar am meisten Angst haben: Transparente!

Scheinbesetzung in München-Freimann

In der Nacht auf den 17. August haben Unterstützer_innen des Für LⒶu Hauses das sogenannte „mediahaus“ in München Freimann betreten und insgesamt 4 Transparente mit Solidaritätsbotschaften an das Für LⒶu Haus, sowie ein Transparent mit einer Solidaritätsbekundung mit der kürzlich geräumten Teppichfabrik in Berlin-Friedrichshain, aufgehängt.

Natürlich waren die Aktivist_innen längst über alle Berge, als gegen Mittag ein Großaufgebot der Polizei anrückte und mit „Spezialkräften“ rund eine Stunde lang das Gebäude nach den Besetzer_innen durchsuchte [1].

Die Aktivist_innen kritisierten in einem Bekenner_innenschreiben auf Indymedia die Vertreibung von Menschen mit keinem oder nur geringem, zunehmend stärker aber auch mittlerem Einkommen aus Städten. Da ist es geradezu zynisch, dass gerade in München, wo offenbar ein großer Anteil der Bullen einen Nebenjob annehmen muss, um dort überhaupt leben zu können [2], Hausbesetzungen so konsequent durch die Polizei beendet werden.

Mit ihrer Aktion wollten die Aktivist_innen einen Beitrag dazu leisten, dass „auch in München Hausbesetzungen von einer Kuriosität zu Routine“ werden. Deshalb rufen sie mit ihrer Aktion zur Beteiligung am massenhaften Cornern anlässlich der Rückkehr des Für LⒶu Hauses am Tag X Ende August/Anfang September auf.

Das Für LⒶu Haus freut sich sehr über diese Aktion und wünscht den Aktivist_innen auch weiterhin viel Erfolg bei ähnlichen Aktionen! Gemeinsam werden wir den „erzkonservativen CSU-Anhänger_innen, den Bullen und den Spekulant_innen“ kräftig auf die Nerven gehen!

Anmerkungen

[1] Ein Video vom Polizeieinsatz gibt es bei BR24.

[2] Siehe http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.gehalt-reicht-nicht-immer-mehr-muenchner-polizisten-brauchen-nebenjobs.e61a1f84-5798-4036-b740-252a67c18295.html

Pressespiegel zur Besetzung des „Schnitzelhauses“

Berichte von der Aktion am 22. Juli

Berichte über die Aktion in den Tagen danach

Die Bullen plündern, ich ziehe weiter

In München wurde heute kein REWE, sondern ein Umsonstladen geplündert. Nicht durch den „schwarzen Block“, sondern durch Einsatzkräfte der Polizei.

Unmittelbar von den Plünderungen betroffen: Ich. Die Bullen haben mich zwar nicht erwischen können (ich bin durch die Hintertür entwischt), aber jetzt muss ich mir wieder eine neue Bleibe suchen. Dabei war ich doch erst vor wenigen Stunden in das „Schnitzelhaus“ eingezogen.

Wem die Bullen mit ihren Plünderungen geschadet haben: Uns allen, denn ich stehe für die Überzeugung, allen Menschen das zu gewähren, was sie benötigen, unabhängig von einer Gegenleistung.

Aber auch wenn mich die Bullen plündern, der Staat mich durch seine Repressionsorgane verfolgt und verleumdet und mir Räume, die ich mir erkämpfe, sofort streitig gemacht werden, ich werde wieder auftauchen!

Und ihr könnt mich dabei unterstützen: Alles, was ich brauche, ist ein leer stehendes Gebäude und ein paar Umzugshelfer_innen. Ach ja: Und ein paar neue Möbel wären nicht schlecht 🙂